🔬 Klinische Bewertung

Systematische Literaturrecherche für den CER: Methode, Datenbanken, Nachvollziehbarkeit

Die Systematik trennt eine regulatorisch belastbare Übersichtsarbeit von einer Auswahl günstiger Artikel. Das Verschweigen ungünstiger Sicherheitsdaten kann nach Artikel 61 der MDR als Betrug gelten.

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Die systematische Literaturrecherche ist die methodische Grundlage der meisten CER. Sie ermöglicht es, sämtliche verfügbaren klinischen Daten zum Medizinprodukt oder zu vergleichbaren Produkten zu identifizieren und zu bewerten. Das Wort “systematisch” ist nicht schmückendes Beiwerk: Es ist genau das, was eine regulatorisch akzeptable Literaturrecherche von einer subjektiven Auswahl günstiger Artikel unterscheidet.

Warum “systematisch” das zentrale Kriterium ist

Eine nicht systematische Recherche — willkürliche Artikelauswahl, nicht reproduzierbare Suche, undokumentiertes Auslassen ungünstiger Studien — birgt zwei schwerwiegende regulatorische Risiken.

Das erste ist der Selektionsbias: Werden nur günstige Studien berücksichtigt, wird die Schlussfolgerung des CER verfälscht. Die Benannten Stellen prüfen, ob die Suchstrategie breit genug angelegt war, um auch ungünstige Studien zu erfassen, und ob die Ausschlüsse durch im Voraus festgelegte Kriterien begründet sind und nicht durch ihr Ergebnis.

Das zweite ist noch gravierender: Das bewusste Auslassen ungünstiger Sicherheitsdaten kann als regulatorischer Betrug eingestuft werden. Ein CER, der Veröffentlichungen verschweigt, die unerwünschte Wirkungen bei vergleichbaren Produkten dokumentieren, ist eine Akte, die den Anforderungen von Artikel 61 nicht genügt.

Die abzufragenden Datenbanken

PubMed / MEDLINE. Unverzichtbar für die internationale medizinische Literatur. Kostenlos, umfassend im biomedizinischen Bereich. Die Recherche erfolgt über die PubMed-Oberfläche oder über Werkzeuge wie Rayyan zur Verwaltung der Ergebnisse.

EMBASE. Ergänzung zu PubMed mit besserer Abdeckung europäischer Zeitschriften und medizinischer Konferenzbeiträge. Kostenpflichtig, aber häufig über universitäre Einrichtungen zugänglich.

Cochrane Library. Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen. Referenz für Evidenz hohen Niveaus zu medizinischen Interventionen.

Regulatorische Datenbanken. EUDAMED (Vigilanz- und Marktüberwachungsdaten nach dem Inverkehrbringen), nationale Datenbanken der zuständigen Behörden, öffentlich verfügbare Bewertungsberichte der Benannten Stellen.

Spezialisierte Datenbanken je nach Produkttyp. IEEE Xplore für aktive Produkte und medizinische Software, CINAHL für Produkte in der Pflege, onkologische Datenbanken für in der Krebsmedizin eingesetzte Produkte.

Die Nachvollziehbarkeit der Suchstrategie

Die Suchstrategie muss vollständig und reproduzierbar dokumentiert sein: verwendete Suchbegriffe mit den booleschen Operatoren, abgefragte Datenbanken, Suchdaten, Ein- und Ausschlusskriterien der Studien, Anzahl der in jeder Filterstufe identifizierten Artikel (Identifikation, Auswahl, Eignung, Einschluss). Dieser Prozess wird häufig in Form eines PRISMA-Diagramms dargestellt.

Ein CER ohne dokumentierte Suchstrategie wird von den Benannten Stellen systematisch mit der Aufforderung zur Nachbesserung zurückgewiesen. Das Fehlen dieser Dokumentation wird als Fehlen einer systematischen Recherche gewertet, unabhängig davon, welche Artikel letztlich zitiert werden.

Der Umgang mit ungünstigen Artikeln

Studien, die unerwünschte Wirkungen, Leistungseinschränkungen oder Vorkommnisse bei vergleichbaren Produkten dokumentieren, dürfen nicht aus der Recherche ausgeschlossen werden. Sie müssen analysiert werden, und ihre Schlussfolgerungen müssen in die Schlussfolgerung des CER einfließen. Verändern diese Daten das Nutzen-Risiko-Verhältnis, ist dies zu dokumentieren und zu begründen — und der PMCF-Plan muss dem Rechnung tragen.

Behandelte Themen:

Literaturrecherche CER Medizinprodukt systematische Literaturrecherche MDR Bibliografie klinische Bewertung Medizinprodukt